Heike Roettgers

Stille Post

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20 - 20

Die Gruppe spielt "Stille Post" und erfährt die Notwendigkeit aktiven Zuhörens.

3

Goal

Die Teilnehmer erleben die Selektivität der Wahrnehmung. Sie erfahren die Notwendigkeit Aktiven Zuhörens. 

Materials

    Instructions

    Überblick

    • Bis auf einen Teilnehmer und den Trainer verlassen alle den Raum.
    • Der Trainer liest dem im Raum verbliebenen Teilnehmer eine Geschichte vor, die sich dieser einprägen soll.
    • Die Geschichte wird nun von einem Teilnehmer zum nächsten mündlich weitergegeben.
    • Nachdem der letzte Teilnehmer die, meist stark verkürzte und veränderte, Geschichte erzählt hat, liest der Trainer die Originalversion allen Teilnehmern noch einmal vor.
    • Frage zur Auswertung: „Was ist hier passiert?“ 

    Vorgehen

    „Wir steigen ein mit einer Übung. Dazu möchte ich Sie bitten, dass nur einer hier bleibt und alle anderen nach draußen gehen. Ich hole Sie dann gleich nacheinander herein.“ 

    Wenn alle Teilnehmer bis auf eine Person den Raum verlassen haben, stellt der Trainer den „Erzähler-“ und den „Zuhörer-Stuhl“ auf. Er erklärt dem Teilnehmer die Übung. „Nehmen Sie bitte auf diesem Stuhl Platz.“ Der Trainer deutet auf den Zuhörer-Stuhl und lässt den Teilnehmer dort Platz nehmen. Er selbst setzt sich auf den Erzähler-Stuhl.

    „Ich lese Ihnen nun eine Geschichte vor. Sie merken sich die Geschichte und erzählen Sie dann dem Nächsten weiter. Dabei ist es nicht erlaubt, Fragen zu stellen. Die Geschichte lautet folgendermaßen: 

    ‚Der Küchenjunge des internationalen Finanzdienstleistungsunternehmens ‚Pekunia‘ mit dem Namen Friedrich Freudenstein wurde geknebelt und an eine Nudelmaschine gefesselt von seinem Vorgesetzten aufgefunden. Der Küchenjunge sagte aus, dass sechs ihm unbekannte Männer in langen Mänteln und mit schwarzen Hüten ihn überfallen und eine Psychodroge in den Zitronenpudding gemischt hätten. Dies habe zur Folge, dass bei allen Mitarbeitern, die den Zitronenpudding konsumieren, Bewusstseinsveränderungen erzeugt würden, die dazu führten, dass sie allen Kunden sofort einen Blankoscheck aushändigten. Es wird vermutet, dass die sechs Männer sich unter die Kunden mischen, um so das Finanzdienstleistungsunternehmen zu betrügen.‘“ 

    Nachdem der Trainer die Geschichte zu Ende erzählt hat, bittet er den Teilnehmer, den Stuhl zu wechseln und sich auf den „Erzähler- Stuhl“ zu setzen. Dann holt er den nächsten Teilnehmer.

    Diesen fordert er auf, sich auf den „Zuhörer-Stuhl“ zu setzen und instruiert die Übung: „Sie bekommen nun eine Geschichte erzählt und versuchen, sich den Inhalt zu merken. Sie können keine Fragen stellen, nur still zuhören. Anschließend wechseln Sie den Stuhl und erzählen die Geschichte dem Nächsten weiter.“

    Nachdem die Geschichte zu Ende ist, kann der Erzähler im Stuhlkreis seinen Platz einnehmen, der Zuhörer wechselt auf den Erzähler-Stuhl.

    Nach diesem Muster verläuft die Übung, bis der letzte Teilnehmer die Geschichte erzählt bekommen hat. Diesen fordert der Trainer auf: „Nun nehmen Sie bitte auf dem Erzähler-Stuhl Platz. Erzählen Sie bitte die Geschichte so, wie Sie sie in Erinnerung haben.“ 

    In der Regel hat sich die Geschichte bis zu diesem Zeitpunkt drastisch verkürzt und verändert. Dann stellt der Trainer die Ursprungsversion noch einmal vor, um den Kontrast zu der mündlich weitergegebenen Variante für alle nachvollziehbar zu machen: 

    „Ich lese Ihnen jetzt mal die Originalversion der Geschichte vor.“ (s.o.) Anschließend leitet der Trainer die Auswertung an: „Was ist hier passiert?“

    Die Teilnehmer tragen nun zusammen, was sich verändert hat. In der Regel sind folgende Aspekte zu beobachten:

    • Die Geschichte ist erheblich kürzer geworden. Viele Informationen wurden nicht weitergegeben.
    • Es gibt mehrere Details, die verändert und verfälscht worden sind.
    • Neues wurde hinzugefügt. Lücken und Ungereimtheiten werden geschlossen, indem einzelne Personen etwas hinzufügten, was aus ihrer Sicht Sinn machte („Konfabulieren“).

    Bei Bedarf ergänzt der Trainer einen der Aspekte. Häufig werden auch Parallelen zur Entstehung von Gerüchten im (betrieblichen) Alltag gezogen. In der Regel sind die Teilnehmer beeindruckt von dem Ausmaß der Informationsveränderung und -verfälschung. 

    Background

    Quelle: Thomas Schmidt: Kommunikationstrainings erfolgreich leiten

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